Ich lebe für das Jahr in
Cleveland in einer Lebensgemeinschaft mit sozial benachteiligten Menschen und anderen
Freiwilligen zusammen im Catholic Worker House. Auf jeden Fall ist es nicht die
tpisch amerikanische Seite des Lebens die ich hier kennen lernen werde.
![]() |
| Schwerindustrie - nicht mein Haus:) |
Das Leben in der Community ist bescheiden. Die Meisten
sind in viele soziale Projekte eingebunden. Denn Cleveland ist die zweitärmste
Großstadt in den USA. Nur Detroit ist noch ärmer. Beide Städte teilen das
Schicksal des enormen Rückgangs der Schwerindustrie in den 70er Jahren im heute
sogenannten rust belt. Einst hat in dieser Stadt Rockefeller, der erste
Milliardär der Welt, sein Reichtum angehäuft. In diesen Zeiten war Cleveland
noch mitten im manufacturing belt, dem besten Wirtschaftsplatz in den USA, der
vor allem durch die Kohle und Stahlindustrie boomte. Doch all das hatte seinen Preis: Zum Beispiel
ist der Cuyahoga River, der durch Celveland fließt, der einzige Fluss der
jemals zweimal gebrannt hat. Und dafür bedarf es schon einer ziemlich erhöhten
Konzentration an Chemie und Abfall im Wasser. Das erfuhr ich übrigens, als ich
das bitterste Bier der Welt namens Burning River probiert habe. Inzwischen ist
er aber einer der reinsten Flüsse in Amerika. Dennoch ist das Leitungswasser
hier nicht das Beste. Es wird hier enorm viel gechlort, was aber niemanden weiter
stört, denn zu jedem Essen gibt es ein paar große Kannen Chlorwasser. Keiner
kann verstehen dass ich mir extra Wasser kaufe. In ein paar Wochen würde ich
das Chlor nicht mehr schmecken. Ich bin ja mal gespannt.
Je nachdem welchen Wasserhahn man nimmt, bekommt
das Wasser zudem einen leicht metallischen Geschmack. Es liegt vor allem an den
schlechten uralten Leitungen die überall verbaut sind und seit hundert Jahren
nicht gewechselt wurden. Denn so etwas wie Instandhaltung ist unter den
Amerikanern nicht ganz so populär wie in Deutschland. Das trägt unter anderem
nicht gerade zur Verschönerung des Stadtbildes bei. Denn an jedem Straßenrand
gibt es hölzerne Strommasten, die unter der schweren Last eines tief
durchhängenden Kabelgewirrs teilweise schon kurz vorm umfallen sind. Das Gewirr
zieht sich durch alle Straßen mit Abzweigungen zu den Häusern an dessen Hauswänden
die Unordnung häufig ihren phänomenalen Höhepunkt zu finden scheint. Ich frag
mich, wieso kann man so etwas extrem Hässliches nicht einfach in geordneten
Bahnen unter die Erde legen?
| gibt schöneres |
Kälte
Die hässlichste Nachbarschaft ist es übrigens nicht in der ich lebe, denn das richtige Ghetto liegt in anderen Stadtteilen. Aber ist meine Community bewohnt trotzdem ein für unsere Verhältnisse sehr heruntergekommenes, altes Haus. Merkwürdige Gerüche, die ich inzwischen gar nicht mehr wahrnehme, haben mich am ersten Abend im Hausflur begrüßt. Das gesamte Haus ist sehr schlecht isoliert, manche Fenster haben so enorme Spaltmaße, dass das Lüften überflüssig wird. Und es wird verdammt kalt im Winter. Eine kurze Kostprobe auf Bevorstehendes war mir schon gegönnt, als die Temperaturen für kurze Zeit unter 10 Grad gefallen sind. Man friert sich den Arsch ab selbst wenn man mit der dicksten Winterjacke im Haus rumläuft. Und übliche Temperaturen im Winter sind -20°. Wenn es soweit ist wird die Heizung wenigstens ein bisschen Wärme spenden, aber um Kosten zu sparen wird sie erst Ende November angeschaltet. Solange heißt, es auf gutes Wetter hoffen.
Die hässlichste Nachbarschaft ist es übrigens nicht in der ich lebe, denn das richtige Ghetto liegt in anderen Stadtteilen. Aber ist meine Community bewohnt trotzdem ein für unsere Verhältnisse sehr heruntergekommenes, altes Haus. Merkwürdige Gerüche, die ich inzwischen gar nicht mehr wahrnehme, haben mich am ersten Abend im Hausflur begrüßt. Das gesamte Haus ist sehr schlecht isoliert, manche Fenster haben so enorme Spaltmaße, dass das Lüften überflüssig wird. Und es wird verdammt kalt im Winter. Eine kurze Kostprobe auf Bevorstehendes war mir schon gegönnt, als die Temperaturen für kurze Zeit unter 10 Grad gefallen sind. Man friert sich den Arsch ab selbst wenn man mit der dicksten Winterjacke im Haus rumläuft. Und übliche Temperaturen im Winter sind -20°. Wenn es soweit ist wird die Heizung wenigstens ein bisschen Wärme spenden, aber um Kosten zu sparen wird sie erst Ende November angeschaltet. Solange heißt, es auf gutes Wetter hoffen.
Außerdem gibt es in dem Haus bed bugs, zu deutsch Bettwanzen. Eigentlich galten
sie schon fast für ausgestorben doch zurzeit breiten sie sich vor allem in
Amerika aus. Sie kommen nachts aus ihren Verstecken raus in dein Bett und
saugen dein Blut. Sie haben einen typischen süßlichen Geruch den sie
verbreiten. Das Tragische ist, dass sie sogar von einem meiner Vorgänger nach
einem Hostelbesuch eingetragen wurde und es ist nahezu unmöglich sie wieder
rauszubekommen. Der Kammerjäger würde über 13000 Dollar kosten und von dem Geld
kann man sich in Cleveland ein neues Haus kaufen. Meine erste Bekanntschaft
habe ich in der zweiten Nacht gemacht. Als ich morgens um 5 Uhr aufgewacht bin
(das ist ihre Fresszeit) und zwei von denen in meinem Bett sind. Ich liege
schon extra auf einer Luftmatratze (da fühlen sie sich nicht so wohl), die mit
zwei Verteidigungslinien von doppelseitigen Klebeband umspannt ist, aber
irgendwie mussten es die Viecher geschafft haben. Meine Verteidigungsstrategie
geht nun also über in den Angriff. Und auf einmal sehe ich sie überall, in
jeder Ecke lauern und ich kille jede einzelne Wanze, indem ich eine nach dem
anderen zerdrücke. Dabei geben sie einen widerlichen Geruch ab. An Schlafen war
nicht mehr zu denken. Am nächsten Morgen habe ich den ganzen Raum von Grund auf
gereinigt und in jede Ecke und Ritze Tonnen von Chemikalien versprüht und ein
spezielles Puder verteilt. Wenn ich deshalb ein paar Tage weniger leben sollte,
dann wars mir das Wert. Die nächsten Nächte habe ich mir meinen Wecker sogar extra
um 5 Uhr gestellt, um auch noch die Letzten zu Töten. Und meine Taktik ist bis
jetzt erfolgreich. Fürs erste sind sie gedämmt. Meine Türschwelle – völlig in
weiß gepudert – ist nun meine letzte Verteidigungsfront.
Großstadtidylle
| Das Photo ist aus dem Badezimmerfenster raus entstanden |
Abgesehen von den paar Problemen, kann die Umgebung aber sehr idyllisch sein. Gegenüber
ist eine große Kirche mit einer weiten Rasenfläche davor. In der abendlichen
Sonne spielen manchmal Kids Football. Und Cleveland hat seine eigene
Eichhörnchenrasse, die hier zusammen mit hunderten Spatzen die ganze Wiese
füllen können, wenn sie jemand mit ein paar Bortresten füttert. Direkt vor dem
Haus ist ein kleiner wilder Vorgarten mit einer riesige Blütenpracht verschiedenster Blumen in allen
möglihcen Farben. Bei warmen Wetter kann man sich einfach auf die Bank setzen
und den vielen Bienen bei ihrer emsigen Nektarsuche zusehen. Und wenn ich abends
was trinken und ein bisschen feiern will, dann sind gleich in der Nähe einige
Bars.
Zum Abschluss noch ein paar Eindrücke von Cleveland:
Zum Abschluss noch ein paar Eindrücke von Cleveland:

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen