Montag, 28. November 2011

Work


Hab hier jetzt schon länger nichts mehr von mir hören lassen und der Halbjahresbericht für ASF muss bald fertig sein, also nutze ich die Gelegenheit ein paar Dinge für euch niederzuschreiben.
IRTF (InterReligious Task Force on Central America) ist eine sehr kleine Organisation mit nur zwei fest angestellten Personen, meinem Chef Brian und Sarah. Sie wurde vor 30 Jahren gegründet nachdem zwei Schwestern aus Cleveland in El Salvador von Militärs vergewaltigt und umgebracht worden sind. Sie setzt sich seitdem für mehr soziale und wirtschaftliche  Gerechtigkeit sowie für Menschenrechte in Zentralamerika ein.

Brian und Sarah in unserem leicht chaotisch anmutenden Büro bei einem Meeting.

Aber was genau muss man sich darunter vorstellen und wie sieht die Arbeit aus?
Tatsächlich ist es sehr interessant und abwechslungsreich und man verliert nie das Gefühl etwas Sinnvolles zu tun. Im Folgenden werde ich euch einen kleinen Einblick in meine wichtigsten Aufgaben  geben und ein wenig zu den inhaltlichen Aspekten meiner Arbeit erzählen.

Faxen und Hintergrund

An meinem ersten Arbeitstag wurde ich gleich in die hohe Kunst des – im Zeitalter von Internet und Emails zwar leicht angestaubten, aber umso effektiveren – Faxens eingewiesen, welches von da an eines meiner Hauptaufgaben werden sollte. Dies ist Bestandteil eines Rapid Response Netzwerks durch den Politiker, Organisationen und Richter von Bedrohungen, Ermordungen und andere Menschenrechtsverletzungen möglichst zeitnah unterrichtet werden sollen. Diese Briefe lesen sich häufig wie ein Skript zu einem Krimi, wenn z.B. chronologisch aufgelistet wird, wie jemand für Monate bedroht, und schließlich von einem Motorrad verfolgt und erschossen wird. Unterschiedliche Faktoren führen dazu, dass es zwischen Mexiko und Kolumbien eine besonders hohe Rate an politisch und wirtschaftlich motivierten Morden gibt. Zum einen gibt es eine sehr starke Ungleichverteilung an Land und Wohlhaben. Eine kleine Elite von einer Hand voll Familien besitzt alles, von den bedeutendsten Firmen und den größten Landflächen, bis hin zu den Medien und zur politischen Macht. Und zum anderen gibt es eine sehr hohe Militarisierung. Sie wurde vor allem von den USA zur Eindämmung des Kommunismus vorangetrieben. Man kann sagen, dass diese Faktoren maßgeblich dazu beigetragen haben, neben zum Teil schonungslosen und folternden Staatsgewalten, auch etliche nationalistische Paramilitärs herauszubilden. Sie und ihr Pendant, die linken Guerillas, bekämpfen sich in brutalster Weise und terrorisieren Teile der der Bevölkerung. Abgesehen davon, dass die Mordrate in Zentralamerika generell sehr hoch ist, gibt es Gruppen die besonders gefährlich leben.
(1) Gewerkschaftler, (2) indigene Völker, sogenannte Compasinos, die für die nächste große Palmölplantage nicht von ihrem Land weichen wollen, (3) Umweltaktivisten, die den Mienen und damit auch den Paramilitärs, die Schutzgelder von ihnen beziehen, das Geschäft versauen könnten und (4) jede Art von Menschenrechtler oder Person die zu viel weiß oder sagt. Alleine zu den landesweiten lokalen Wahlen in Kolumbien sind 41 Kandidaten umgebracht worden. Den meisten Medien ist das nicht einmal einen Nebensatz wert. Die ersten Tage wäre ich manchmal am liebsten einfach raus auf die Straße gerannt, nur um jedem Menschen zu erzählen wie viel Ungerechtigkeit es irgendwo auf dieser Welt gibt.

Newsletter und Telefon

Ein anderer großer Arbeitsbereich ist das Verfassen von Newsletters zu unterschiedlichen Topics. Dies ist am Anfang eine gute Möglichkeit gewesen, um sich mit den Thematiken und den Hintergründen bekannt zu machen. Jede Woche gibt es zudem, zu einem der Topics ein abendliches zweistündiges Treffen mit denen wir versuchen, unsere Unterstützer mehr an unserer Arbeit teilhaben zu lassen und mit denen wir für sie die Möglichkeit bieten, aktiv zu werden. Dazu rufe ich alle möglichen Leute an, um sie zu diesen Treffen einzuladen. Generell ist das Telefon neben dem PC mein wichtigstes Arbeitswerkzeug. Ich nehme alle Telefonanrufe entgegen,  promote Veranstaltungen oder versuche Freiwillige für unsere Fair Trade Verkäufe an den Wochenenden zu finden. Wenn ich nicht erfolgreich war, muss ich den Job übernehmen. Das war bis jetzt zum Glück nicht oft der Fall, aber dürfte sich ab nächster Woche ändern. Dann sind teilweise 5 Unterschiedliche Shows für ein Wochenende angesagt.

Also, ihr seht mir wird nie langweilig. Besonders zu dieser Jahreszeit gibt es viel zu tun für mich. Werde euch in den kommenden Tagen  dann auch von meinem Trip nach Georgia und anderen Veranstaltungen und Aktionen mit IRTF berichten.