Gefräßiger Bankautomat
Nachdem ich noch zwei Wochen in Berlin verbracht habe, natürlich nicht ohne die
ein oder andere Sehenswürdigkeit abzuklappern und die großartige Nachtszene kennenzulernen,
bin ich endlich zu meinem Flug nach Cleveland aufgebrochen. Der Tag begann erst
einmal damit, dass ich am Flughafen noch ein wenig Geld abheben wollte und
statt mir das Geld rauszurücken, hat der Automat einfach meine Karte
geschluckt. Ich rufe sofort Max, meinen Klassenkamerad aus der ersten
Klasse und gleichzeitig auch besten Kundenberater der Sparkasse an. Und ich werde beruhigt, dass
das alles kein Problem ist. Die Karte wird zu denen gesendet und dann kann er sie
mir nach Amerika hinterherschicken.
Lufthansa
Der Flug ging erstmal über Düsseldorf und dann nach Toronto. Ich bin übrigens mit Lufthansa geflogen und
ich muss sagen, jeder Flug mit Turkish Airline ist bis jetzt
besser gewesen. Das Sicherheitsvideo war fast gar nicht verständlich und bestand mehr aus ohrenbetäubendem Knacken und Knistern. Auf dem Bildschirm waren nach
10000-fachem Abspulen des Videos nur noch Pixelfragmente zu erkennen. Zudem waren
die Anschlüsse für meine Kopfhörer dank eines nervigen Wackelkontakts nur unter
ganz bestimmten Winkeln benutzbar, was bedeutete, dass ich es die ganze Zeit festhalten musst und nur in ziemlich unbequemen
Positionen Filme sehen konnte. War halt nicht das neuste Flugzeug. Aber wie
kleinlich diese Probleme tatsächlich waren, sollte mir nur wenige Stunden
später bewusst werden.
Aufenthaltsgenehmigung
Ich hatte zwar bereits das Visum aber, benötigte für die Einreise zusätzlich
einen Stempel für die Aufenthaltsgenehmigung. Diese bekam ich in Toronto aber
erst nachdem ich in einen Special Raum sondiert einige Fragen beantwortet und
viel Zeit mit warten verbracht habe. Meine Sicherheitsbeamte war sehr
gemächlich (sie war dann mal über ne halbe Stunde weg um vom Supervisor einen
Stempel zu bekommen). Die Folge war, dass ich meinen Flug nicht mehr bekommen
konnte.
Aber das muss man den Amerikanern lassen, wenn sie auch manchmal um einiges
bequemer als wir Europäer erscheinen, so sind sie doch auch oft
unkomplizierter. Wenn man einen Flug verpasst hat, ist das kein Problem, man
bekommt einfach einen Platz für den nächsten Flug und man muss nicht mal eine
Umbuchungsgebühr bezahlen. Außerdem eine weitere Annehmlichkeit, die ich in
Deutschland zu oft vermisse: Ich wurde überall mit freiem W-Lan begrüßt.
Turbulenzen
Der Flug von Toronto nach Cleveland war dann nur noch eine sehr kurze Strecke
über den Erie-See. Eine Stunde Flugzeit mit einer kleinen Propellermaschine. Allerdings
war es wirklich ein historisches Modell, welches ich ohne zu übertreiben auf 50 Jahre
schätzen würde. Als einzige Sicherheitserklärung erfahr ich von einer älteren gelangweilten Flugbegleiterin, dass es für den Notfall zwei Exit-Türen gibt.
Immerhin sitze ich neben einer. Ein leichtes Gefühl von Sicherheit kommt in mir
auf. Diese ist aber nicht von langer Dauer, denn natürlich musste es Turbulenzen
geben.
Plötzlich werde ich heftig durchgeschüttelt, dann flackert das Licht und über mir an der Decke fängt es an laut zu pfeifen. Der Spuk ging über 10 min und Ihr könnt mir
wirklich glauben, in diesem Moment habe ich mir alle möglichen Szenarien
ausgemalt, wie man seine Überlebenschancen bei freiem Fall auf offener See
erhöhen kann.
Ich war noch nie so froh, wieder festen Boden unter meinen Füßen
zu haben, wie nach diesem abenteuerlichen Flug!
UND: Ich hab es endlich geschafft, ich bin in Amerika!
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